Wer unabhängig sein will, braucht Unterstützer.
Die von der FABRIK von Beginn an angestrebte, größtmögliche Unabhängigkeit von Senat und Parteien war langfristig nicht durchzuhalten. Ohne Lobbyarbeit und Unterstützung kann auch ein alternatives Kulturprojekt wie die FABRIK auf Dauer nicht überleben. Kultur in all ihren Facetten den Bewohnern in einem Stadtteil wie Altona näher zu bringen und ihnen auch eine Teilhabe zu ermöglichen, war damals und ist heute ohne Mittel aus dem Haushalt der Kulturbehörde nicht möglich. Der von den großen Theatern und kleinen Kulturprojekten heiß umworbene Haushalt war und ist immer zu gering, um allen Bedarf zu decken.
Da braucht es UnterstützerInnen und FürsprecherInnen.
Aufgrund der Vielfalt des Angebots und des guten Kulturprogramms in der FABRIK gelang es 1972, einen Kreis von interessierten Mitgliedern aller in der Bürgerschaft vertretenen Parteien sowie kulturpolitisch interessierter Bürger für die Gründung eines Fördervereins zu gewinnen.
Als Vorsitzender wurde Dr. Hanno Jochimsen, damaliger Pressesprecher des Senats, gewählt. In einem "Brief statt eines Vorworts" für das FABRIK-Buch schreibt er über die Arbeit des Fördervereins: "Recht bald wurde mir klar, wie unterschiedlich die FABRIK zu definieren war: als Ort kulturellen Geschehens gegenüber der Kulturbehörde, als Kinder- und Jugendtreff gegenüber der Jugendbehörde, als soziale Beratungsstelle gegenüber der Sozialbehörde, als Gaststätte gegenüber der Wirtschaftsbehörde." Gegenüber all diesen Institutionen musste sich die FABRIK behaupten und die Mitglieder des Fördervereins halfen, die Interessen des Hauses zu vertreten und in Konfliktfällen zu vermitteln.
Aber die Aufgaben des Fördervereins gingen weit über die Verteidigung des Freiraums FABRIK gegenüber den Behörden hinaus. Konflikte in der Mitarbeiterschaft, der Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit und viele Dinge mehr wurden in der Anfangsphase der FABRIK vom Förderverein begleitet. Durch das große überregionale Interesse an der alternativen Kulturarbeit der FABRIK gelang es dem Förderverein 1974, dass die FABRIK an einem bundesweiten Modellvorhaben des Bundesjugendplans im Programm "Erprobung neuer Konzeptionen und Methoden der Jugendhilfe" teilnehmen konnte und 2 ½ Jahre lang aus Bundesmitteln gefördert wurde mit der Auflage einer Anschlussfinanzierung aus Mitteln des Landesjugendplans der Stadt Hamburg.
Eine weitere große Herausforderung für den Förderverein war der Verlust des FABRIK-Gebäudes durch einen Großbrand 1977. Uwe Voigt, Vorsitzender des Fördervereins FABRIK e. V.: "Das war ein ganz herber Schlag für uns und ein unendlich trauriges Gefühl, in den noch rauchenden Trümmern zu stehen. Der vermutliche Brandstifter ist übrigens nie ermittelt worden. - Gottseidank hatte die FABRIK, inzwischen ein 'Renommierobjekt der Hamburger Kulturszene', durch ihre Arbeit nicht nur in Deutschland einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt und war Vorbild für viele ähnlich gelagerte Projekte u. a. auch in der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark, geworden. Dadurch war der Druck auf die Politik verhältnismäßig groß, uns in dieser Situation nicht im Regen stehen zu lassen. Aber ohne die Hilfe der Stadt wäre auch gar nichts gegangen. Während der Umbau der alten Munitionsfabrik 1971 ca. 450.000,-- DM gekostet hatte, verschlang der Aufbau (1977 – 1979) etwa 4,6 Mio DM; ein Mehrfaches der Entschädigung für die abgebrannte FABRIK durch die Feuerversicherung. Hätten nicht Brauereien, Stiftungen, die Neue Heimat, eine Zigarettenfirma und viele Andere mitgeholfen, bei dieser Gelegenheit auch einige Änderungen zwecks besserer Nutzbarkeit vorzunehmen, hätte nicht der Architekt Volkwin Marg mit unermüdlichem Einsatz und ständigen kreativen Einfällen versucht, das Beste herauszuholen, wer weiß, wie alles gekommen wäre."
Seit 1972 unterstützt der Förderverein die FABRIK. Uwe Voigt: "Die Mitglieder des Vereins – egal aus welcher politischen Richtung sie kamen – haben es immer als ihre Aufgabe angesehen, den 'Freiraum FABRIK', dieses große, kulturell spartenübergreifende, generations- und schichtenübergreifende, auf Internationalität ausgerichtete Experiment zu fördern und vor äußeren Eingriffen zu schützen. Wir haben im besten Sinne immer versucht, 'Lobby' zu sein und der Leitung den Rücken freizuhalten."
Aber auch bei den internen Konflikten innerhalb des FABRIK-Teams, die durch unterschiedliche Zieldefinitionen und Auslegungen konzeptioneller Fragen zweimal in den Jahren die FABRIK zum Scheitern zu bringen drohte, bewährte sich der Förderverein als neutrale, vermittelnde Instanz, die die Wogen glättete und zur Stabilisierung der aufgeheizten Stimmung beitrug.
Uwe Voigt: "Inzwischen haben sich die Kulturlandschaft aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stark verändert. Hierauf muss reagiert werden können. Mittelkürzungen sind mit Sicherheit nicht der richtige Ansatz, wenn die FABRIK ihren selbstgestellten und anerkannten Aufgaben gerecht werden soll."
Um sich von Entscheidungen dieser Art unabhängiger zu machen, wurde die FABRIK 2006 in eine Stiftung umgewandelt.
Aber nicht nur die Mitarbeiter der FABRIK müssen sich mit der Zukunft ihres Kulturprojekts auseinander setzen und die wirtschaftlichen Grundlagen durch den Aufbau der Stiftung absichern. Der Förderverein ist ebenfalls gefragt, seine Rolle neu zu definieren und zu diskutieren, ob er, integriert in die Stiftung, im Stiftungsrat mitwirken oder als eigenständiger Verein weiter bestehen will.
Eines steht außer Frage: auch in Zukunft wird die FABRIK Förderer, Unterstützer und Freunde dringend brauchen und es gibt durchaus ein gutes Gefühl, zu den Unterstützern und Förderern eines so interessanten Kulturprojekts zu gehören.
(Peter Schröder-Reineke, Mitglied des Fördervereins FABRIK e.V)